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Wir müssen verhindern, dass aus der Corona-Krise auch eine Ausbildungskrise wird!

LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Saar fordert Hilfen für benachteiligte Jugendliche, die wegen der Corona-Pandemie keinen Ausbildungsplatz finden

 

Zum Start des neuen Ausbildungsjahres am 1. August appelliert die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Saar an die politisch Verantwortlichen, sozial benachteiligte Jugendliche nicht zu vergessen. „Wir müssen verhindern, dass aus der Corona-Krise auch eine Ausbildungskrise wird“, sagt der LIGA-Vorsitzende, Pfarrer Udo Blank. „Damit diese jungen Menschen nicht im Zuge der Pandemie ihre Zukunftschancen verlieren, sind im kommenden Jahr neben der betrieblichen Ausbildung verstärkt außerbetriebliche Angebote und weitere Unterstützungsmaßnahmen nötig", fordert Blank.

"Schon jetzt stehe fest: Die Herausforderungen für das kommende Ausbildungsjahr seien mit Blick auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie auch im Saarland groß. Die Einschränkungen im Betrieb der Berufsberatung sowie die fehlenden Möglichkeiten, Jugendliche vor Ort und in den Schulen zu erreichen, werde sich gerade bei benachteiligten Jugendliche auswirken", betont Blank.

Obwohl es nach Angaben der Arbeitsagentur derzeit mit 2.046 offenen Stellen und 1.414 ausbildungsplatzsuchenden Jugendlichen (Stand 30.07.2020) noch zahlreiche Ausbildungsplatzangebote gibt, gestalten sich die Möglichkeiten von Jugendlichen mit schlechteren Schulabschlüssen oder anderen Handicaps in diesem Jahr schwieriger als in den Vorjahren. Zum einen wird bei einem hohen Anteil der noch zu besetzenden Ausbildungsplätze, vor allem in den technisch-gewerblichen Bereichen, mindestens ein mittlerer Bildungsabschluss vorausgesetzt, weil die fachtheoretischen Anforderungen ansonsten nur mit hohem zusätzlichem Aufwand zu bewältigen sind. Im Gegensatz dazu hat jedoch das zurückliegende Schuljahr zu Wissenslücken in wichtigen Fächern geführt, sofern die Schulen in den Abschlusszeugnissen überhaupt die Leistungen bewerten konnten.

Gerade kleinere Betriebe, die sich mit entsprechender Unterstützung in den Vorjahren auch auf die Zielgruppe schwächerer Jugendlicher eingelassen hatten, zögern vor diesem Hintergrund aktuell. „Viele dieser Betriebe haben zudem Kurzarbeit angemeldet und seien wegen der Corona-Krise gezwungen, die Ausbildung ganz oder teilweise auszusetzen“, berichten Mitarbeitende der Wohlfahrtsverbände, die im Rahmen des Saarländischen Landesprogramms „Ausbildung jetzt“ Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützen. Ein Teil der Jugendlichen müssten zudem mit der Unsicherheit leben, ob der gefundene Ausbildungsbetrieb überhaupt die Corona-Krise überleben werde.

Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Saar begrüßt deshalb, die im Zuge des Konjunkturpakets von der Bundesregierung beschlossene Unterstützung der Betriebe bei der Fortführung von Ausbildungen sowie dem Erhalt oder der Ausweitung des Ausbildungsangebotes durch die Zahlung von Prämien für Ausbildungsbetriebe. Die Wohlfahrtsverbände befürchten allerdings, dass mit den vorgesehenen Maßnahmen ein auswahlfähiges, ausreichendes Angebot für alle Jugendlichen nicht gewährleistet werden kann. „Wir appellieren daher an den Bundesgesetzgeber, die Mittelausstattung in den Arbeitsagenturen und Jobcentern deutlich zu erhöhen und die öffentlich geförderte Ausbildung auszubauen“, sagt Blank.

Ein zusätzliches wesentliches Strukturelement in der Ausbildungsförderung im Saarland stelle zudem das Landesprogramm „Ausbildung jetzt“ dar. Blank: „Dieses überaus erfolgreiche Landesprogramm sichert seit vielen Jahren die Chancen von vielen Jugendlichen, eine Ausbildung erfolgreich zu durchlaufen und ist ein wesentlicher Faktor, um die oben beschriebenen Corona- Folgen abzumildern.“ Neben der Unterstützung bei der Ausbildungsplatzsuche werde über dieses Programm zudem sichergestellt, dass verlässliche Ansprechpartner sowohl bei Problemen im Betrieb als auch bei der Kompensation fehlender schulischer Kenntnisse zur Seite stehen. Die LIGA Saar fordert daher die Landesregierung auf, dieses bewährte Programm weiter auszubauen und dafür zusätzliche Mittel zur Verfügung zu stellen. Gerade in der jetzigen Krise gelte es, bestehende Strukturen zu stützen und zu stärken.“

Presseanfragen beantwortet Astrid Klein-Nalbach, Abteilungsleiterin „Berufliche Integration“ bei der Diakonie Saar: Telefon 0171 3084437.

Saarbrücken, 30. Juli 2020 


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