Aktuelles

Kooperationsjahr

HIER: Stellungnahme der LIGA Saar im PDF-Format

 

Stellungnahme zum Entwurf des Ministeriums "Gemeinsam bilden - Gemeinsam erziehen - Gemeinsam Übergänge gestalten"
- Kooperationsjahr Kindergarten-Grundschule - vom 21. April 2010

  

 

I. Vorbemerkung


Die Annäherung beider Bildungssysteme „Kindergarten" und „Grundschule" im Kooperationsjahr wird von der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege ausdrücklich begrüßt.

Der Kooperation beider Systeme muss die Diskussion um ein gemeinsames Bildungsverständnis voraus gehen, ausgehend von Leitbild und Konzeption der kooperierenden Institutionen.

Erfolg und Misserfolg des Projektes hängen entscheidend davon ab, mit welcher Haltung und Vorbehalten die Akteure vor Ort auf einander zugehen und miteinander umgehen.

Beide sollen nicht wertend sondern wertschätzend zusammenarbeiten.

 

II. Grundsätzliche Einschätzung


Die Freiwilligkeit zur Teilnahme am Projekt ist für das Gelingen positiv.

Die Koalitionsvereinbarung sieht vor, dass angesichts des zu stemmenden Projektes die Anhebung des Lehrerdeputats erfolgen soll, während der Personalschlüssel in den Kindertageseinrichtungen unverändert bleibt. Das halten wir für völlig unrealistisch.

Die vor uns liegenden Aufgaben im Rahmen des Projektes erfordern von allen Beteiligten das Einbringen zusätzlicher Zeitressourcen, die auch im Stellenschlüssel der Kitas ihren Niederschlag finden müssen.

Mittelfristig ist anzustreben, dass die Ausbildungsgänge der Primar- und Elementar-pädagogik die Auseinandersetzung mit dem jeweils anderen Bildungssystem gewährleisten.
D.h. die Themenstellung soll in die Lehrerausbildung und die Erzieherinnenausbildung aufgenommen werden.

Regelmäßige gemeinsame Fortbildung ist eine grundlegende Voraussetzung, damit das Projekt gelingen kann.

Die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation des Projektes ist unverzichtbar um die Erreichung der formulierten Ziele „Gemeinsam bilden, gemeinsam erziehen, gemeinsam Übergänge gestalten" nachzuweisen und Verbesserungspotentiale zu identifizieren (Messgrößen/Indikatoren - Qualität).
Ziel muss auch die enge Verzahnung von wissenschaftliche Begleitung und Fortbildung sein.

Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Saar begrüßt ausdrücklich, dass die Einführung des Kooperationsjahres im Saarland flächendeckend geplant ist und damit ein wesentlicher Beitrag zur Gewährleistung gleicher Teilhabechancen für alle Kinder geleistet wird.

Im Sinne von Recht auf Chancengleichheit muss sicher gestellt sein, dass auf lange Sicht jedes saarländische Grundschulkind am Kooperationsjahr teilnehmen wird und die erforderlichen Mittel von der jeweiligen Landesregierung bereitgestellt werden (Landeshaushalt).

 

III. Stellungnahme zu den einzelnen Punkten


Zum Vorwort

1. Abschnitt, 2. Satz: Anstelle von „Meistern Sie den Übergang erfolgreich..." sollte es heißen: „Wird der Übergang gut gestaltet, stärkt dies ihre Persönlichkeit..."


Zum Teil A: Theoriegeleitete Überlegungen

Im Einzelnen

2.3 Inhaltliche Basis Zu ergänzen ist in diesem Abschnitt: „Grundlage muss ein ge-meinsames Bildungsverständnis sein (Kapitel 1, Saarländisches Bildungsprogramm)"


3. Qualitätsziele
1. Abschnitt: Hier fehlt die Klärung, wer mit „allen Beteiligten" gemeint ist. Zum Beispiel könnte eine Steuerungsgruppe eingerichtet werden.

Letzter Satz
(des 1. Abschnittes): „Das Konzept orientiert sich an den Grundsätzen des Qualitätsmanagements" der Beteiligten.


3.2 Verbesserung des Übergangsprozesses
3.2.2 und 3.2.3 Wir schlagen eine Veränderung der Überschriften vor (anstelle der Überschriften „Stärkung von Basiskompetenzen der Kinder" und „Festigung schulischer Vorläuferkompetenzen").
Die Überschrift (für beide Kapitel): „Kompetenzen stärken"


3.2.2 - 1. Abschnitt: 2. Satz: „Mit der künftigen Schülerrolle..." ändern in: „Die Gestaltung des Prozesses des Übergangs soll zu einem Kompetenzzuwachs der Kinder führen".


3.2.4 (jetzt 3.2.3) Individuelle Förderung - Inklusion
Neue Überschrift: Inklusion gewährleisten - Individuelle Förderung

 

3.2.4 (ehemals 3.2.5) Langfristige Schuleingangsdiagnose
2. Abschnitt „...pädagogische Fachrichtung" ersetzen durch: „...pädagogische Diskussionen". Der Satz heißt jetzt: Der Begriff der Schulfähigkeit hat in der pädagogischen Diskussion eine inhaltliche Veränderung erfahren.

5. Abschnitt Im 1. Satz soll die Textstelle „...und die Formulierung von Stärken und Schwächen..." gestrichen werden - der Satz heißt jetzt: „Langfristige Beobachtungen des Kindes mit dem Ziel der individuellen Förderung führen zur Erarbeitung eines Förderkonzepts im Elementarbereich".


3.2.5 (ehemals 3.2.6) Intensivierung der Zusammenarbeit der Eltern
3. Abschnitt: „Die Elementar- und Primarpädagogen beraten ... zur persönlichen Entwicklung der Kinder" (anstelle ihrer Kinder).

 

Zum Teil B. - Praxisgeleitete Überlegungen

2.2 Implementierung
3. Abschnitt: „Landesweit wird begleitet hierzu an allen Standorten die Intensivierung der Zusammenarbeit ..."
Anfrage: Wie sieht die Unterstützung durch das Ministerium für Bildung aus?


2.3 Qualitätsorientierte Prozessbeschreibung im Überblick

Tabelle „Qualitätsziele - Qualitätsstandards"
(Seite 3): Unter dem Ziel „Öffnen der Erziehungs- und Qualitätssysteme" ist ein weiterer Standard zu ergänzen:
- Kennen lernen der Konzeption der Kindertageseinrichtung - der Lehrpläne

(Seite 4): Die beiden Qualitätsziele: „Stärkung von Basiskompetenzen" und „Festigung schulischer Vorläuferfähigkeiten" sollen in einer Spalte zusammengefasst werden und heißen: „Kompetenzen stärken".

Das Qualitätsziele „Individuelle Förderung - Inklusion" soll heißen: "Inklusion gewährleisten - individuell fördern".

Die Spiegelstriche „Aktionen zur Intensivierung von Wahrnehmung" soll heißen: „Intensivierung von Wahrnehmung" und „Aktionen zur Ausbildung motorischer Fähigkeiten", soll heißen: „Ausbildung motorischer Fähigkeiten".


3.2. Spezifische organisatorische Überlegungen

Gruppeneinteilung und Raumnutzung

• Die Gruppengröße beträgt max. 22 Kinder
• Es sollen möglichst feste Räume zugeordnet werden
• Einfache logistische Bedingungen sollen nach Absprache und Bedarf vorhanden sein (z.B. Tische, Zeichenmaterial oder eine bewegliche Tafel...)"

Die wenigsten Einrichtungen habe Ausweich- bzw. Funktionsräume, die ungenutzt sind und diese Anzahl von Kindern ohne Probleme fassen können;

Anfrage: Wer trägt die Kosten für Materialien und Ausstattung dieser Räume?


„Der Anfangsunterricht in der Klassenstufe 1 stellt die Fortführung des Kooperationsjahres dar und trägt ebenfalls dem aktuellen Lernstand der Kinder, dem unterschiedlichen Tempo und den individuellen Lernvoraussetzungen Rechnung."

In der Realität besuchen nicht alle Kinder einer Kita später die gleiche Grundschule. Das Konzept geht aber von einer klassischen „Kind-Dorf-Schule-Konstellation" aus.

Anfrage: Wie soll mit dieser Problematik umgegangen werden? Wie ist an diesen Stellen die Fortführung anknüpfend am aktuellen Lernstand möglich?


4. Pädagogische Ausgestaltung

4.1 Rahmenvorgabe „Bildungsprogramm für Saarländische Kindergärten"
1.Abschnitt: Ergänzen bzw. verändern: „Grundlegend ist das im Saarländischen Bildungsprogramm festgeschriebene Bildungsverständnis" und der Bezug zu den Kompetenzen ...

2. Abschnitt: Zu ergänzen bzw. zu verändern: „Inhaltliche Orientierungs-punkte für die Jahresplanung ist die einrichtungsspezifische Konzeption und die Planung, orientiert an Jahreszeiten,
Festen, ...".

Zu dem Schaubild (in 4.1) Der unmittelbar vor dem Schaubild angeführte Satz: „Eine Rahmenvorgabe mit den Kompetenzen und Bildungsbereichen lässt sich wie folgt darstellen" soll geändert werden in „Das Schaubild verdeutlicht die Vernetzung und Erweiterung der Kompetenzen in den Bildungsbereichen".

 

4.2 Didaktisch-methodische Umsetzung

5. Abschnitt: „Die Bandbreite der methodischen Bausteine ist groß und entspricht gewohnten Formen in Schule und Kindergarten": Hier die folgenden Aufzählungen verändern - neuer Vorschlag: „Zum Beispiel: Lied- und Spieleinführung, Bild-, Buch- oder Filmbesprechung, Experimente, Exkursionen, Aus-wertungsgespräche, Sprach- und Rollenspiel, Projekte ...".

Die im nachfolgenden aufgeführte Skizze „Strukturen der Elementarpädagogik" und „Strukturen der Primarpädagogik" soll ganz gestrichen werden und damit der Satz: Die Skizze verweist auf eine Schwerpunktverlagerung der Aktivitäten von Erzieherinnen und Lehrern im Laufe des Jahres.

Des Weiteren soll der erste Satz im darauf folgenden Abschnitt „Hier ist die sich wandelnde Rollenverteilung..." ebenfalls gestrichen werden.

Der folgende Textabschnitt heißt dann so:
Grundsätzlich planen und gestalten die beiden Pädagogen gemeinsam die Kooperationsstunden.
Zunehmend übernimmt die Lehrerin für die Kinder erkennbar größere Anteile der pädagogischen Arbeit. Natürlich bleibt die Kooperation bis zum Ende des Kooperationsjahres in der Verantwortung beider Pädagogen.


Korrektur letzter Abschnitt: „Bei der Planung und Gestaltung der Kooperationseinheiten" ... sind bei der Aufzählung der Einflussgrößen der Spiegelstrich bzw. die Formulierung zu streichen: „Schulische Vorläufer-kompetenzen".

 

8. Aus- und Fortbildung

Bei der beispielhaften Aufzählung von Themen und Fortbildungen soll die Formulierung
(3. Spiegelstrich) „Didaktisch-methodische Bausteine zur Förderung der Basiskompetenzen und schulnaher Vorläuferkompetenzen" geändert werden in „Didaktisch-methodische Bausteine zur Förderung der Kompetenzen".

Folgende Themen sind in dem Entwurf entweder gar nicht angesprochen oder nicht ausreichend definiert:

Anfrage: Wie wird mit laufenden Projekten im letzten Kita-Jahr verfahren (z.B. Würzburger Trainingsprogramm) Entfallen diese automatisch? Es wird von gemeinsamen Beobachtungsverfahren gesprochen.

Anfrage: Wird es ein verpflichtendes standardisiertes Beobachtungsverfahren geben für alle damit die Daten später vergleichbar sind?

Anfrage: Was ist mit den eingeführten und angewandten Beobachtungsverfahren in den Kitas?

Anfrage: Wer führt die Beobachtungen durch?

Die Zeitstrukturen berücksichtigen nicht, dass in vielen Kitas (insbesondere in ganzjährig geöffneten) die Eltern ihren Urlaub nicht in den Schulferien machen.

Die kindbezogene Dokumentation durch Lehrer und Erzieherinnen muss zeitlich und inhaltlich noch klarer definiert werden.

Die individuelle Beratung der Eltern stellt einen Schwerpunkt dar.

Anfrage: Wer ist für die Eltern Hauptansprechpartner?

Anfrage: Werden Elterngespräche gemeinsam mit Lehrerin und Erzieherin geführt?

Anfrage: Geschieht dies im Rahmen von Verfügungszeit?

Anfrage: Was ist mit Eltern, die mit der Weitergabe von Daten ihres Kindes nicht einverstanden sind?


IV. Schlussbemerkung


Abschließend erlauben wir uns die Bitte, die in Ihrem Brief vom 29. April 2010 dargestellte Ablaufplanung zu konkretisieren:

• Festlegung der Anzahl von Schulstandorten, die an dem Projekt teilnehmen werden.

• Beachtung der Standort- und Trägervielfalt

• Transparenz zum Auswahlverfahren (Mitwirkung der Träger(verbände))

• Beachtung der zusätzlich erforderlichen Personalressourcen in Kitas zur Vor-bereitung des Kooperationsjahres außerhalb der Pilotphase (Kontaktpflege u. Fortbildung mit Kooperationslehrkräften

• Wer sind die „themenerfahrenen Referenten" und wo sind die Fortbildungsträger der Kindertageseinrichtungen berücksichtigt?


Der nicht abgestimmte Konzeptentwurf wurde landesweit schon mit den Schulleitern besprochen, obwohl die Frist zur Abgabe der Stellungnahme der Trägerverbände, wie vereinbart, erst am 17. Mai 2010 abgelaufen ist.
Auf welchem Informationsstand sind die Schulleiter?

In der Vorbereitung der Pilotphase ist unbedingt auf organisatorische Sorgfalt zu achten, um dem Projekt die Chance auf ein gutes Gelingen zu geben.


Es ist uns an dieser Stelle wichtig, darauf hinzuweisen, dass die ambitionierte Zeitschiene zur Umsetzung des Projektes durch das Ministerium allen Beteiligten hohen Einsatz und enorme Zeitressourcen abgefordert hat.

 

 

Saarbrücken, im Mai 2010

 

 


Ernst-Abbe-Straße 1 | 66115 Saarbrücken | Tel: 0681 9672875 | info@liga-saar.de

Copyright © 2019 LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Saar. Alle Rechte vorbehalten. Impressum und rechtliche Hinweise