15. Februar 2021 Bildungsgerechtigkeit in Pandemiezeiten

Bildungsgerechtigkeit in Pandemiezeiten: Die LIGA der freien Wohlfahrtspflege Saar fordert die gezielte Förderung von Schülerinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Familien.

Die LIGA der freien Wohlfahrtspflege Saar (LIGA) hat in einem Brief die saarländische Bildungsministerin Christine Streichert-Clivot aufgefordert, für Bildungsgerechtigkeit in Pandemiezeiten zu sorgen. Dazu müssten Schülerinnen und Schüler aus sozial benachteiligten Familien dringend mit gezielten Fördermaßnahmen unterstützt werden.

„Unsere Mitarbeitenden erleben in ihrer täglichen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen auch während des zweiten Lockdown, dass manche Kinder geradezu verschwunden sind“, betont der Vorsitzende der LIGA, Pfarrer Udo Blank. Die Versorgung mit geeigneten digitalen Endgeräten sei noch nicht flächendeckend umgesetzt. Darüber hinaus fehlten in den finanziell armen Familien das Geld für einen Internetanschluss mit der notwendigen Bandbreite und für Verbrauchsmaterialien, wie Toner und Papier. Viele Eltern hätten zudem nicht die notwendigen Kenntnisse, um die Schülerinnen und Schüler beim Home-Schooling zu unterstützen.  „Die so zurückgelassenen Schülerinnen und Schüler werden den Anschluss eigenständig und ohne weitere Unterstützung nicht erreichen. Dies gefährdet die schulische und berufliche Zukunft ganzer Gruppen von Kindern“, betont Blank.

Die LIGA fordert deshalb ein landesweites Förderkonzept für benachteiligte Kinder, das zusätzliche Unterrichtseinheiten für die betroffenen Schülerinnen und Schüler vorsieht. Es müsse umgehend im Bildungsministerium erstellt und dann zeitnah umgesetzt werden, idealerweise noch im laufenden Schuljahr. Des Weiteren müssten die technischen Hilfs- und Lernmittel zur adäquaten Beschulung umgehend ausgerollt und Eltern sowie Schülerinnen und Schüler in die Nutzung der Geräte und der Lernplattform eingeführt werden. Die LIGA bittet Streichert-Clivot sich dafür einzusetzen, dass die entsprechende Netz-Infrastruktur auch in sozial benachteiligten Quartieren und im ländlichen Raum zur Verfügung steht.

Mit Blick auf die weiteren Entwicklungen hält es die LIGA für notwendig, die Erfahrungen aus der aktuellen Pandemie-Welle bei der Weiterentwicklung der Lehrpläne zu berücksichtigen und die Schulen „pandemiefest“ zu machen. So müsse etwa selbständiges Lernen als Bestandteile im Lehrplan „Medienkompetenz“ festgeschrieben werden. Schon jetzt sollten vorsorglich Pläne erarbeitet werden, wie insbesondere benachteiligte Schülerinnen und Schüler auch während eines möglichen zukünftigen Lockdown zuverlässig erreicht werden können.

Die Verbände bieten bei der Begleitung der Schülerinnen und Schüler weiterhin ihre Unterstützung in den Gemeinwesenprojekten, den Kinderhäusern und der Schulsozialarbeit an. „Kein Kind kann etwas dafür, in Armut geboren zu werden, kein Kind kann etwas für die aktuelle Krisensituation! Lassen Sie uns gemeinsam daran arbeiten, dass benachteiligte Kinder durch die Corona-Pandemie nicht dauerhaft abgehängt werden,“ schreibt Blank.