LIGA Saar warnt vor Eingriffen in die Tarifautonomie und Gefahren für die soziale Infrastruktur im Saarland
Die LIGA der Freien Wohlfahrtspflege im Saarland blickt mit großer Sorge auf Bestrebungen, die vollständige Refinanzierung tariflicher Personalkosten infrage zu stellen. Aktuelle Entwicklungen im Pflegebereich dürfen nicht zum Einstieg in eine Praxis werden, bei der tarifliche Bezahlung zwar erwartet, ihre Finanzierung jedoch nur noch eingeschränkt abgesichert wird. Dies würde Einrichtungen und Dienste erheblich belasten und langfristig die Verlässlichkeit sozialer Angebote im Saarland gefährden.
Tarifautonomie ist ein zentraler Bestandteil fairer Arbeitsbeziehungen. Wer verantwortungsvoll ausgehandelte Löhne und gute Arbeitsbedingungen respektiert, muss auch sicherstellen, dass die daraus entstehenden Personalkosten auskömmlich refinanziert werden. Gute soziale Arbeit braucht qualifizierte Fachkräfte, faire Bezahlung und verlässliche Rahmenbedingungen – für Einrichtungen ebenso wie für die Menschen, die Unterstützung benötigen.
Eine Refinanzierung, die sich allein an der Grundlohnsummenentwicklung orientiert, wird der Realität sozialer Einrichtungen nicht gerecht. Tarifsteigerungen wirken unmittelbar, während die Grundlohnrate Entwicklungen nur zeitverzögert abbildet. Zugleich stehen Einrichtungen und Dienste im Saarland durch steigende Sach-, Energie- und Sozialversicherungskosten unter erheblichem Druck. Werden diese Kostensteigerungen nicht ausreichend berücksichtigt, entstehen Finanzierungslücken, die sich dauerhaft verschärfen können.
Die Auswirkungen betreffen nicht nur einzelne Träger. Die Angebote der Freien Wohlfahrtspflege sind ein wesentlicher Bestandteil der sozialen Daseinsvorsorge im Saarland. Pflege und Unterstützung im Alter, Angebote für Menschen mit Behinderungen, Kinder- und Jugendhilfe, Beratungsstellen, Hilfen für Familien und viele weitere soziale Dienste ermöglichen Teilhabe, unterstützen Menschen in schwierigen Lebenslagen und stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt.
„Soziale Einrichtungen, die tarifgerecht bezahlen, brauchen Verlässlichkeit – keine Finanzierungslücken. Faire Arbeitsbedingungen und gute soziale Arbeit setzen eine auskömmliche Refinanzierung voraus. Sonst geraten genau die Strukturen unter Druck, auf die die Menschen im Saarland angewiesen sind“, betont Thomas Umsonst, Vorsitzender der LIGA Saar.
Die LIGA Saar fordert Bund und Länder auf, die Tarifautonomie zu respektieren und tarifliche sowie tarifähnliche Personalkosten dauerhaft, vollständig und verlässlich zu refinanzieren. Die finanziellen Herausforderungen der sozialen Sicherungssysteme dürfen nicht auf dem Rücken der Beschäftigten, der Träger und der Menschen ausgetragen werden, die auf soziale Unterstützung angewiesen sind.